Süddeutsche Zeitung (ENN) v. 16./17. Juni 2001
Ziemlich gemein

Feuchtfröhliche Burschenwettkämpfe in Alxing

Alxing Das Bier war mit drei Schlägen angezapft, was Michael Zäuner, Vorstand des Radfahrvereins Alxing, mit den Worten kommentierte:"Jetzt kommt der Bürgermeister langsam in Übung." Danach konnte es richtig losgehen bei der 90-jahrigen Gründungsfeier des Alxinger Vereins, der eigentlich kein Radfahrer- sondern ein Burschenverein ist mit allem was dazu gehört.

 

 

Unter anderem waren das am zweiten Festtag zum Gaudium der Festzeltbesucher Burschenwettkämpfe. Bereits im Vorfeld hatten sich acht Burschenvereine aus der Umgebung für die vier Wettkämpfe angemeldet. Ob einige doch Angst vor ihrer Courage hatten, oder ob sie einfach von der vorangegangenen Rocknacht zu geschädigt waren, ist unklar. Angetreten sind am Donnerstagabend jedenfalls nur fünf Vereine. Um die Zahl auszugleichen stellten die Jakobneuhartinger Burschen kurz entschlossen noch eine zweite Mannschaft.

Und los ging der Kampf um ein (lebendiges) Spanferkel als ersten Preis, 30 Liter Bier für die Zweitplatzierten und 20 Liter für die Dritten. Zu Beginn stand ein Wettbewerb für den Durst auf dem Programm: Jeweils vier Teilnehmer eines Vereins mussten eine Goaßnmaß austrinken. Durch einen Gummischlauch und natürlich schneller als die gegnerische Mannschaft. Für die Schnelleren gab es jeweils fünf Punkte, die Verlierer mussten sich mit einer weiteren Maß trösten. Im zweiten Wettkampf ging es um die Geschicklichkeit. Ein Verteter jedes Vereins musste einen Maßkrug ähnlich wie beim Eisstockschießen auf einer Holzschiene möglichst nahe an den Markierungsstrich schieben.

Den größten Tumult und die beste Stimmung unter den Zuschauern gab es aber erst im dritten Wettbewerb, als die Starken unter den Burschen zeigten, wie weit es mit ihrer Kraft her ist. Erst nach drei Minuten schieden die ersten beiden Teilnehmer beim Maßkrugstemmen aus . Die anderen hielten zwischen vier und fünf Minuten durch und zwei der Teilnehmer schafften es unter den anfeuernden Rufen ihrer Fans knapp zehn Minuten lang, den vollen Maßkrug mit gestrecktem Arm von sich zu halten. "Ein gemeiner Wettbewerb eigentlich, wenn man eine volle Maß so weit von sich weg halten muss", kommentierte Zäuner die Bemühungen der Teilnehmer. Der vierte und letzte Wettkampf drehte sich um Durst und Spaß und bestand darin, im Kopfstand auf einem Heimtrainer festgezurrt ein Pils auszutrinken, was einigen Burschen sichtlich schwer fiel. Dahingestellt sei, ob das bittere Pils nicht geschmeckt hat oder ob wirklich die missliche Lage schuld war an den verzogenen Gesichtern.

Katharina Teimer

 

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