Münchner Merkur (EZ) v. 6. Februar 2001
Wenn "eigensinnige Unterthanen" aufbegehren

Oberndorfer wollten im Jahr 1824 die Selbstständigkeit

Oberndorf Ende 1973 wurde die Gemeinde Oberndorf als kommunale Einheit dem benachbarten Ebersberg zugeschlagen. Doch so friedlich wie ihre Eingemeindung, so umstrittener war ihre Entstehung um 1840, wie aus Protokollblättern der Jahre 1822 bis 1829 noch gut leserlich in Schönschrift auf grobfasrigem Pergamentpapier hervorgeht.

 

 

Demnach erschienen anno 1824 "einige Unterthanen aus den Ortschaften Neuhausen, Rinding, Pollmoos, Oberndorf, Traxl, Westerndorf, Halbing und Motzenberg und stellten an das Königliche Landgericht die Bitte, von den Gemeinden Steinhöring und Ebersberg gelöst, eine eigene Gemeinde Oberndorf bilden zu dürfen". In einer Erklärung mit fünf Punkten heißt es: "Wir können uns mit der Ebersberger und Steinhöringer Gemeindeverwaltung nicht mehr vertragen. Wir müssen unverhältnismäßig zu den Gemeindelasten beitragen, ohne Rechenschaft darüber zu erhalten. Wir haben den Ebersbergern immer Wege und Steige herrichten müssen, aber die Ebersberger wollen von einer Beihilfe bei unseren Straßenbauten nie etwas wissen". 19 Unterschriften finden sich auf dem Papier, darunter auch einige Handzeichen, da wohl nicht jeder des Schreibens mächtig gewesen war.

Die im Umfeld von Steinhöring gelegenen Orte führten als Gründe für eine Trennung hauptsächlich die langen Schul-und Behörenwege nach Steinhöring an. Das Königliche Landgericht erörterte im September 1824 in einer Sitzung das Aufbegehren der "Unterthanen" und war offensichtlich bemüht, die Argumente und Streitigkeiten zu entkräften.

So heißt es im Protokoll: "Die Unverträglichkeit rührt hauptsächlich von der Gegenpartei her, indem die Oberndorfer mit den Beschlüssen unzufrieden sind. Unwahr haben die Oberndorfer angegeben, sie müssten zu den Gemeindekosten unterhaltsmäßig beitragen... Nie haben die Oberndorfer nach ihrer Vorgabe Wege und Stege für die Eberberger herstellen müssen, dagegen kann den Oberndorfern gesagt werden, dass die Ebersberger bei ihnen Straßen und Wege gerichtet haben, die außerhalb ihrer Schuldigkeit gewesen wären". Das Königliche Landgericht erklärte, "dass die von den Oberndorfern und Consorten angebrachten Gründe ganz unzureichend sind, von der bereits mit Erwägung aller Verhältnisse festgesetzten Gemeindeformation abzugehen und eine Trennung der bestehenden Gemeindeteile zu verfügen".

Dennoch setzte sich die Meinung durch, dass es wohl besser wäre, man würde eine eigene Großgemeinde Oberndorf bilden, um die zu tragenden Lasten auf sich zu nehmen.

Die Oberndorfer mussten sich also noch eine Weile gedulden, bis sie um 1840 zu iherer eigenen "Gmoa" kamen. Rund 133 Jahre war Oberndorf dann eine eigene Gemeinde.

Werner Hubert

 

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